| Matera
Matera widmen wir eine eigene Seite, war es doch das Beeindruckendste, was wir auf dieser Tour gesehen haben, grandios und bedrückend zugleich. Nach Matera verirren sich nur wenige Touristen. Die feine Kleinstadt von 60 000 Einwohnern an der Grenze von Basilikata und Apulien muss man ganz gezielt ansteuern. Matera ist wegen ihrer Sassi bekannt, 'i sassi' – das Wort bedeutet einfach 'die Steine' – sind ein verlassener Stadtteil, der aus Höhlenwohnungen besteht. |
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Matera ist von zwei tiefen Schluchten (Gravine) durchzogen, in denen schon im 4. Jahrtausend v.Chr. Menschen Höhlenbehausungen in den weichen Tuffstein gegraben haben. Im frühen Mittelalter waren es vor allem dann Mönche, die sich hier niederliessen. Aus dieser Zeit stammen viele Grottenkirchen (Chiese rupestri). An ihren Wänden haben sich noch Spuren der Fresken erhalten, mit denen sie vor 1 000 Jahren bemalt wurden.
Im 19. Jahrhundert wurden die Höhlen nach und nach zu "Wohnungen", die oberirdische Anbauten erhielten und durch Innenhöfe verbunden wurden. Man vermauerte die Eingänge, baute vor und an. Im weichen Tuffstein entstand eine regelrechte Stadt. Doch die gemauerten Fronten täuschen, dahinter liegen notdürftig eingerichtete, feuchte, klamme Felslöcher, in denen die Großfamilie zusammen mit dem Vieh auf engstem Raum und unter hygienisch katastrophalen Bedingungen lebte. Ohne Kanalisation, ohne Wasser, ohne Strom!
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In den 50er Jahren lebten noch fast 20.000 Menschen in den Sassi-Vierteln Barisano und Caveoso. Dem übrigen Italien galten diese Zustände als nationale Schande und die Bewohner wurden gegen ihren Willen bis in die 70er Jahre zwangsumgesiedelt - zurück blieb eine verlassene Ruinenstadt mitten in einem prosperierenden Zentrum. |
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Erst 1993 erkannte man den kulturellen (und auch touristischen) Wert. Als einzigartiges Beispiel spontaner Architektur erklärte die UNESCO 1993 die Sassi zum Weltkulturerbe. Heute bemüht man sich um eine Erhaltung der Bausubstanz und sogar um die Revitalisierung einzelner Behausungen. Man steigt von der schmucken Oberstadt nur über Treppen hinab. Straßen gibt es in diesem riesigen Areal nur zwei. Ziellos durch diese beinahe Geisterstadt zu wandern, ist eine echte Erfahrung. Die meisten Höhlen sind frei zugänglich. Man kann hineingehen, bis das Licht, das nur von außen einfällt, nicht mehr ausreicht. In manchen Grotten finden sich noch Reste der primitiven Einrichtung: Wasserbecken, Hühnerställe, den Stall für das Maultier. Alles ist in den Sassi ineinander verschachtelt. In dem Gewirr von Gässchen und Treppen entdeckt man nicht selten, dass man gerade auf dem Dach einer unterliegenden Wohnung spazieren geht. Interessiert man sich für das Leben der Menschen damals, sollte man das Casa Grotta di vico Solitario nel Sasso caveoso besuchen, eine ausgebaute Höhlenwohnung, in der per mehrsprachigem Tonband die Lebensumstände sowie die Wohnung mit ihren einzelnen Einrichtungsgegenständen anschaulich erläutert werden. Es gibt verschiedene Initiativen, die Sassi zu restaurieren und neu zu besiedeln, und schon spricht sich herum, dass eine schick renovierte Höhlenwohnung mit Heizung und rundum verkabelt genau das Richtige für jung-dynamische Rechtsanwälte oder Architekten wäre. Zumeinst finden sich jedoch Handwerker oder einzelne Touristenläden. Touristen können einen Vorgeschmack bekommen, auf den sich anbahnenden neuen Trend 'Zurück in die Höhle!', im Drei-Sterne-Sassi-Hotel mit sechzehn umgebauten Grotten über sechs Ebenen. Wir haben im Hotel Italia, Via Ridola 5 am Rand der Caveoso-Schlucht übernachtet, Tel: 0835-333561, dann uneingeschränkt zu empfehlen, wenn man nicht zu sehr auf den Preis achten muss. Wer nur kurz in Matera ist, der gehe abends in die Trattoria Lucana, Via Lucana 48, er/sie wird es nicht bereuen.
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