Vorbemerkung: Als ich mich nach unserer Apulientour im Mai 2012 daransetzen wollte, diese Seite zu überarbeiten, habe ich es schnell wieder bleiben lassen. Als eine der ersten Seiten auf dieser Homepage ist sie in eine Art Zeitgeschichte für mich selbst und soll bewusst so bleiben, wie ich sie 2002 zusammengebastelt habe. Vieles davon stimmt auch heute noch, manches ist von der Zeit eingeholt und manches würde ich heute nicht mehr so sehen. Die Tourenbeschreibung ist dagegen, bei aller Einfachheit, auch heute noch eine wertvolle Hilfe. Davon haben wir bei unserer Tour 2012 selbst profitiert. Leider ist das Fotoalbum durch eine Schlamperei von pixum nicht mehr vorhanden. Gerhard Veits

 

Puglia - dove la natura è colore!

... wo die Natur Farbe ist. So werben die Pugliesen für ihr Land. Wir haben unsere Eindrücke und Erfahrungen von Apulien in Wort und Bild festgehalten. Diese Seite vermittelt unsere persönlichen Eindrücke, die von uns benutzten Reiseführer haben wir getrennt davon erwähnt.   Diejenigen, die selbst eine Radtour durch Apulien planen, seien auf den genauen Tourenbeschreibung hingewiesen.

 

 

Wer mit dem Rad nach Apulien fährt, ist bestimmt nicht das erste Mal in Italien und kennt so manche schöne Gegend in Italien. Er bzw. sie hat bereits die Toskana, Venetien oder die oberitalienischen Seen und vielleicht auch Rom schon gesehen. Doch er war noch nie in Süditalien. Eben!
Süditalien ist anders, und zwar ganz anders. Touristen, noch dazu Deutsche, sind bislang noch Mangelware. Nur in den Monaten Juli und August sind die Strände des Gargano bevölkert - aber meist von den Italienern selbst. Vieles sonst Selbstverständliche gilt es zu organisieren.


Trulli in Alberobello

Wo liegt denn Apulien? Das ist eine häufig gehörte Frage, wenn man wieder zurück ist. Deshalb dieses kleine Bildchen von Italien am Anfang. Es ist der Stiefelabsatz mit seinem Sporn im Norden (Höhe Rom), mit Bari ungefähr in der Mitte (Höhe Neapel) und dem Salento ganz südlich. 

 
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Sonne pur erwarten sich viele, die ihren Urlaub in Italien verbringen. Wer jedoch wie wir im Frühjahr (April) dorthin reist, der sollte sich keinen Frühsommer versprechen. Auch wenn die Temperaturen 5 - 10 Grad über den unseren liegen, 2 - 3 Regentage, kalter Wind, ein völlig verhangener Himmel sind genauso drin wie strahlender Sonnenschein. Aber ganz gutes Wetter zum Radfahren.


Castel del Monte

sulla Litoranea

Apulien ist landschaftlich viel abwechslungsreicher als manche norditalienische Provinz, aber mit harten Kontrasten. Das liebliche Itria-Tal mit seinen Olivenhainen, den blühenden Feldern und dazwischen ein putziger Trullo, ist etwas ganz anderes die karstige murgia, der wie die schwach bewachsene schwäbische Alb imponiert. Die imposante Gargano-Steilküste etwas ganz anderes als der stark bevölkerte Küstenstreifen Brindisi - Bari - Manfredonia oder der stark industrialisiert Golf von Tarent. Die  im Tavogliere betriebene Landwirtschaft hat ungeahnte Ausmaße. Felderweise Petersilie, Dill, Fenchel, Artischocken, Bohnen... alles was bei uns spärlich in einer Ecke des Gartens wächst, gibt es dort in unglaublicher Fülle.

zur Tour
 

Es herrscht dort ein wunderschöner Frühling. Die bestimmende Farbe des Frühlings ist im Gegensatz zur Toskana nicht der rote Mohn, sondern ein Teppich orange-gelb blühender, kleiner Blumen. Die Olivenbäume treiben ungewohnt kräftig grün aus. Auf der roten Erde grünt und blüht alles. Reife Zitronen und Orangen hängen noch, derweil der Baum schon wieder blüht. Nur Laubbäume, die bei uns das Bild des Frühlings sehr stark mitprägen, sucht man vergebens.


Valle d'Itria
 

Radfahren? Aber klar doch! Apulien ist vom Gargano-Gebirge abgesehen hügelig-wellig bis topfeben. Wir sind in Apulien im April 2002 insgesamt 650 km mit Trecking-Rädern + Gepäck gefahren, haben 4 von 5 der großen Landstriche gesehen und Süditalien im wahrsten Sinn des Wortes kennengelernt. 
Aber Radtouristen sind absolute Exoten. Man wird in der Regel bestaunt und beklatscht, manchmal aber auch argwöhnisch beäugt.

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Ein armes Land, in dem es viele Reiche gibt, das sei Süditalien. Stimmt irgendwie und zeigt sich an vielen Punkten. So sind z.B. etliche Nebenstraßen, die man als Radler gerne nutzt, "non bituminata" oder katastrophal ausgeschildert. Hilft nur fragen! Wer sich ins Hinterland wagt, der findet auch ich größeren Städten nur Geschäfte für den Eigenbedarf. So sucht man z.B. in Massafra abends vergeblich nach einem Ristorante, findet auch nur wenige Trattorien dafür aber viele Pizza al taglio. 

 
 

Kein Geld ist auch für die Unterhaltung kunsthistorischer Bauten vorhanden. Das berühmte Castel del Monte beschert einem während der Auffahrt auf das 540 m hohe Stauferkastell einen unvergesslichen Eindruck, nur besichtigen braucht man das oktogonale Bauwerk eigentlich nicht. Es steht alles leer. Ausnahmen bilden die Städte mit UNESCO Weltkulturerbe: Trulli in Alberobello und die Sassi in Matera; beides unvergleichlich.

zur Tour 2002

zur Tour 2012

Matera-Seite

Nichts hat uns auf dieser Tour so beeindruckt wie die Stadt Matera, die über der Grenze zu Basilikata liegt. Es ist eine Stadt, in der über Jahrtausende die Menschen in Höhlenwohnungen lebten. Erst 1950 hat die italienische Regierung dem hygienisch unverantwortlichen Hausen per Gesetz ein Ende gesetzt und 30.000 Menschen in Neubauten zwangsumgesiedelt. Die Sassi sind heute Weltkulturerbe.


Matera, eindrucksvolle Höhlenstadt
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Ohne italienische Sprachkenntnisse geht's nicht - und zwar gar nicht. Englisch wird oft noch nicht mal verstanden. Zurückgekehrte Gastarbeiter aus Deutschland sind rar. Dafür sind die Pugliesen ein sehr kommunikatives Völkchen, immer kontaktfreudig, hilfsbereit, liebenswürdig. Und da auf einer Radtour durch solch ein Gebiet ein Teil des Erfolges im Lösen ungeahnter Probleme liegt, braucht man etwas Italienisch. Nicht zuletzt muss man ab und zu auch einen Carabinieri beschwätzen und "bestechen" können.

 

Süditalien ist anstrengend! Süditalienische Lebensweise muss man mitleben, sonst kann man sie nicht genießen. Also "Frühstück" ist, schnell in der nächsten Bar einen Cappuccino und ein Briosch zu sich nehmen. Mittags ernährt man sich von Panini. Und danach immer einen Cafe (= Espresso). Wer abends Hunger nach MESZ hat, steht um 19 Uhr noch vergeblich vor einer Trattoria , ab 20 Uhr kommt man zwar rein, sitzt aber mit der gelangweilt fernsehschauenden Familie des Wirtes noch recht alleine herum. Eine halbe Stunde später geht es eigentlich los, um 21 kommen die ersten einheimischen Gäste und ab dann ist action angesagt.

zum Info-Pack:


An- und Abreise-Infos
Bahnfahren in Italien
Reiseführer?

 

 

Apulien hat schöne Städte, ist aber überraschend stark bevölkert. Die Städte sind groß, kaum unter 10.000 Einwohner, die meisten "Kleinstädte" sind 25 - 40.000. Bevor man zu einer im Reiseführer beschriebenen schönen Altstadt gelangt, muss man eine große, oft sehr hässliche Neustadt in der Tausende von Menschen in engen Verhältnissen (Geschosswohnungsbau) leben, durchdringen. Mit dem Rad oft kein vergnügliches Unterfangen!


Locorotondo, una citta bianca
 

Sehr gefallen hat uns das abendliche Miteinander. Kommt man um 15 Uhr in eine Stadt, könnte man depressiv werden. Trotz schönstem Wetter kein Mensch zu sehen, alle Geschäfte zu, noch nicht mal die Bars offen. Das ändert sich erst ab 17 Uhr. Doch dann füllen sich die Straßen. Danach flanieren Tausende auf dem Corso Vittorio Emmanuele II, palavern oder sitzen vorm Palazzo der Lega dei pensioneri.

Wohin noch in Italien?
Molise Südabruzzen
Abruzzen
Apennin/Apuanische Alpen
Apulien
Piemont
Südtirol
Toskana
Umbrien
Venetien
 

Attenti al cane! Von dem immer wieder thematisierten Problem der Kriminalität haben wir nur bemerkt, dass sich viele dadurch schützen wollen, dass sie freilaufende Hunde auf ihrem Grundstück oder auch dem Feld halten. Nicht nur ein Ärgernis für Radler. Erstmals haben wir regelmäßige Adrenalinstöße wegen den aggressiven Vierbeinern durchlebt.

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