Was gibt es beim Bahnfahren in Italien Besonderes zu beachten?

 

In fast allen Regionalzügen (mit R auf dem Fahrplan gekennzeichnet) können Fahrräder mitgenommen werden. In übergeordneten Intercity-Verbindungen (Eurostar) dagegen leider, leider nicht. Ausnahme: Sie beginnen oder enden im Ausland und der Zug ist dort für Radtransport vorgesehen, z.B. München - Brenner - Florenz - Rom.

Man braucht wie in Deutschland auch für den Transport von Räder eine spezielle Fahrkarte (supplemento per transporto bici)

Am Bahnhof gibt manchmal nur ein bestimmter Schalter das Radticket aus. Also besser fragen, bevor man sich in die Schlange stellt. Sprachlich fitte können sich das Biglietto auch aus dem Automaten ziehen.

Kleinere Stationen haben oft keinen besetzten Schalter mehr. Dann verkauft in der Regel der  Kiosk oder ein Tabbacchi in direkter Nähe die Fahrkarten.

Ganz wichtig: Convalidare = entwerten! Alle Bahnkarten sind ohne Entwertung ungültig! Man muss sie also alle durch die gelben Entwertermaschinen drücken, was gerade bei den schmalen Radtickets oft schwierig ist. Aber ohne Aufdruck macht der Schaffner im Zug garantiert Probleme.

Das Fahrradabteil ist i.d.R der erste oder letzte Wagen des Zuges und gut zu erkennen (großes Fahrrad-Symbol). Falls wider Erwarten geschlossen (fuori servizio), schließt der Schaffner (capo del treno) auf oder erlaubt den Transport im Einstiegsbereich der Personenwägen. Wir sind immer mitgenommen worden, waren fast immer die Einzigen mit Rädern und hatten immer viel Platz.

Die Technik des Aufhängens ist etwas anders, aber besser als bei uns: Gepäck runter, Fahrrad auf das Hinterrad kippen/rollen, etwas anheben und das Vorderrad in den Haken in der Decke einhängen - fertig. Das Rad hängt gegenüber den Zugbewegungen wesentlich sicherer, als es im Wagen der DB steht.

Nun wäre Italien nicht Italien, wenn das alles so wäre, wie ich es hier beschreibe. Nur in der Variante Norditalien ist es fast zuverlässig so: Das Abteil ist gekennzeichnet, Haken sind an der Decke montiert. Man muss aber trotz Niederflureinstieg noch einmal 3 Stufen im Wagen hoch und manchmal befindet sich auch eine blöde Tür dazwischen wie auf dem ersten Foto. Platz ist oft nicht für mehr als 6 Räder. Ich habe aber noch nie mehr als die unsrigen darin gesehen.

Dann gibt es die Variante Napoli: Kein Schild außen, keine Haken drinnen, aber Platz ist da - einfach rein damit. Es kümmert keinen.

Oder der Zug nimmt zwar laut Fahrplan Räder mit und hat auch Unmengen Wägen dabei aber keinen speziellen für Räder. Dann steigt man in den hintersten ein und stellt die Räder zwischen die Sitze. Das wird von den Schaffnern, die nach 30 Minuten endlich mal vorbeikommen als besonders ordentlich bestaunt. Keine gute Idee ist es dagegen  die Räder im Einstiegsbereichverstauen zu wollen. Die Einstiegsseiten wechseln fast bei jedem Halt.

 

Am aufregendsten ist die Variante In Campania (Ländlicher Raum): Man muss dringend mit, aber der Zug nimmt laut Fahrplan keine Räder mit. Dann muss der wichtigste Mann an Bord, der capo del treno um eine Ausnahmeentscheidung gebeten werden. Aber besten von einer weiblichen Person. Das klappt immer:

Als letztes noch: Bahnhöfe in größeren Städten haben zwar oft eine Gepäckaufbewahrung, aber keine Schließfächer. Räder werden in der Regel als ganzes nicht angenommen, wohl aber die Satteltaschen.

 

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