südliche Abruzzen und Molise 14.- 30.6.2007
Streckenprofile, -beschreibungen und Kommentierung
Diese Seite enthält wie gewohnt spezielle Infos, die wir für Gleichgesinnte aufgeschrieben haben, die eine Radtour in den Abruzzen und Molise fest ins Auge fassen. Radtouren dort sind relativ einsame Hochgebirgstouren, die Anfahrt vom Meer her führt durch Hügelland. Sie erfordern eine gute Planung, Kondition und vor allem Sprachkenntnisse. Es muss vieles (z.B. Unterkunft) vorab geklärt und organisiert werden. Es gibt einen Reiseführer Abruzzen, der aber nur eingeschränkt hilfreich ist. Karten usw. Fehlanzeige. Das deutschsprachige Internet ist ebenfalls nur wenig hilfreich. Ich habe nur ganz wenige Links gefunden, die mir weitergeholfen haben:
Peter Fries hat seine Tour mit dem Rennrad von Norditalien nach Sizilien auf einer eigenen Homepage veröffentlicht. Die Tage 4 und 5 queren das Gebiet der Abruzzen in Nord-Süd-Richtung und sind aufgrund der detaillierten Wegbeschreibung und -bewertung sogar mit Karte und Höhenprofil sehr hilfreich.
Zur Hotelsuche in kleineren Städten der Abruzzen habe ich die deutschsprachige Seite von italyinfo gefunden. Sie listet nach Provinzen die Übernachtungsmöglichkeiten auf. Ich glaube allerdings nicht, dass sie vollständig ist.
Über Molise gibt es bislang schlichtweg gar nichts. Unter anderem deswegen gibt es ja meine Seite.
Andiamo ! ![]()
Da mir Pixum im vergangenen Jahr 2 Alben vergangener Touren unwiederbringlich gelöscht hat, habe ich die wichtigsten Fotos den Textteilen dieser Seite etwas verkleinert zugeordnet. Alle Bilder der Tour gibt es dennoch in einem separatem Album (aber bei Picasa!).
äußere Rahmenbedingungen:
Für Ende Juni sehr warmes Wetter, in der zweiten Woche eine extreme, unerträgliche Hitzewelle, die das Radfahren sehr erschwerte, nur Sonnentage, kein Regen, wenig Bewölkung, insgesamt 670 Km, 8.940 Hm, 12 Fahrtage.
Karte der ersten 4 Etappen
Chieti - Villareia - Scafa - S. Valentino - Caramanico Terme [400 km] (670 Hm)
Ankunft mit dem Nachtzug in Bologna – Übernahme Auto, 350 Km Fahrt bis Chieti, anschließend flach durch das Pescaratal geht es erwartungsgemäß verkehrsreich bis Scafa. Dort beginnt immer der SS 487 folgend ein zäher, schattenloser Anstieg (6 %) auf einem Höhenrücken zwischen M. Morrone und der Maiella, bis man S. Valentino erreicht. Von dort windet sich die Straße über dem tief eingeschnittenen, grünen Tal, das wir kurz vor Caramanico auf einer mächtigen Brücke queren können. Das Städtchen liegt am Hang, wir schieben die letzten Meter steil hoch ins verkehrsfreie Zentrum.
Unterkunft: Cercone, 60 €, angestaubte Kurort Atmosphäre bis ins Zimmer, Räder in separatem Saal
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vom Pescaratal aus Richtung Maiella |
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Caramanico am Fuß der Maiella |
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Caramanico – Passo di San Leonardo (16 km) – Sulmona [38 km] – Scanno [70 km] (600 Hm)
Unbeirrbar geht es auf der landschaftlich reizvollen, kaum befahrenen N 487 hoch zum Passo di San Leonardo auf 1.280 Hm. Es wird eine der genüsslichsten Auffahrten, die wir in den Abruzzen erlebt haben. Bis kurz vor dem Pass eher 3 als 4 % Steigung. Nur kurz vor dem Pass etwas mehr. Dazu überrascht die grüne Umgebung, die stark an satte Almwiesen erinnert, auf denen allerdings Schafherden weiden. Großartig auf der gesamten Strecke der zunehmend unverstellte Blick zurück auf den Gran Sasso. Das sympathische Dorf S. Eufemia a Maiella (878 Hm) lädt zum 2. Cappuccino Stopp ein, dann ist bald die Passhöhe erreicht. Dort findet man außer einem gerade renoviertem, schmucklosem Ristorante samt 2 Skiliften und einer schmucken Hütte nicht viel (alles chiuso). Danach geht's auf schlechtem Belag in steilen Serpentinen (teils über 10 %) runter Richtung Sulmona. In Gegenrichtung muss das ein unangenehmes Pflaster sein. Wir dagegen fliegen mit Postkartenblick vorbei an Pacentro und gelangen rasch und ungestört ins Zentrum von Sulmona. Eine Stadt, die einem sofort für sich einnimmt. Bei einem Cappuccino im Schatten der zentralen Piazza bestaunt man die Irrwege italienischer Kommunalpolitik, die auf so einem Platz Autos fahren und parken lassen. Der Navi dirigiert uns sicher durchs Centro und auf Nebenstraßen unterhalb von Bugnara leicht ansteigend bis nach Anversa d. Abruzzi. Danach hat man für eine kurze Strecke tolle Ausblicke zurück auf das Städtchen. Die so sagenhaft beschriebene Sagittario-Schlucht fanden wir landschaftlich nicht berauschend, die kahle Felskulisse ist meist durch den Wald verdeckt. Es zieht sich und zieht sich, man passiert die völlig veralgten, grünen Wasserflächen des kleinen Lago S. Domenico, bevor man den Lago di Scanno erreicht. Noch eine Kurve und weitere 100 Hm und man hat Scanno selbst erreicht, das durch seine kompakte Bauweise und seinen kleinstädtischen Charakter besticht.
Unterkunft: Belvedere, ganz zentral, 50 €, schönes, großes Zimmer, toller Blick, Räder in separatem Saal
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Blick hinüber zum Gran Sasso Massiv |
am Passo San Leonardo |
Abfahrt durch Ginsterhänge nach Sulmona |
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Anversa d. Abruzzi |
Lago S. Domenico |
Radweg am Lago di Scanno |
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Scanno - Lago di Barrea – Civitella Alfedena - Barrea [44 km](770 Hm)
Die restliche Strecke hoch zum Passo Godi war auch bei den recht hohen Temperaturen, die wir bereits hier hatten, relativ angenehm. Führt die Straße doch gleichbleibend mit 5 % nach oben, immer wieder mal unterbrochen von fast ebenen Strecken. Morgens genießt man dazu noch Halbschatten. Das begleitende Tossotal nimmt wiesenähnliche Charakter an und ist beileibe nicht mehr so düster wie die Sagittario-Schlucht. Oben schöner hochtalähnlicher Pass, nichts Spektakuläres, Skilift, Bars. Dann folgt die kurvenreiche Abfahrt, bei der immer mehr der dunkle Lago di Barrea und darüber thronend Civitella Alfedena vor dem Panorama der gezackten Monti della Meta ins Blickfeld kommen. Schöner Anblick! Umso enttäuschter waren wir dann von den Ortschaften selbst. An aufwendig sanierten Strassen und Plätzen stehen viele Häuser leer oder es steht vendesi drauf. Vor allem Barrea ist echt lahm und auch kulinarisch recht armselig.
Unterkunft:
Hotel Holiday 50 €, zwischen See und Dorf gelegen, schlechteste Wahl der Tour,
alles klamm, Räder in Schuppen
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Hochebene auf dem Passo Godi |
In allen Höhenlagen: "Due Cappuccini per favore" |
Am Wegesrand die arbeitende Bevölkerung |
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| Abfahrt zum Lago di Barrea mit Blick auf die M. della Meta | Lago di Barrea von Barrea aus | Barrea Dorf |

Karte der weiteren Etappen bis zur Adria
Barrea - Alfedena - N158 - Castel San Vincenzo - Colli a Volturno – Isernia [63 km](740 Hm)
In mildem Anstieg führt die N 83 von Barrea mit aussichtsreichen Kurven zu
einem nochmals 200 m höher gelegenen Pass, nur wenig Verkehr. Dann geht es runter
nach Alfedena, das ein lebendigeres Örtchen zu sein scheint und als
Etappenziel wohl die bessere Alternative gewesen wäre. Wir biegen rechts auf
die N 158 und fahren die nächsten 20 km autofrei. Wir passieren ein landschaftlich
berauschende Strecke, die nochmals über einen Hügelkamm ins Alto Molise
führt. Immer mit Blick auf den herrlichen Gebirgszug Le Mainarde. Castel
San Vincenzo lohnt einen kurzen Abstecher, am Ortsrand liegt ein kleiner vom
Stromriesen ENEL angelegter
Stausee - idyllisch. Über Nebenstraßen geht's nun immer leicht bergab bis ins Volturnotal,
das wir vor Colli a Volturno queren. Zum Ort hinauf muss man
nochmals ein wenig in die Pedale treten, danach kann man Kilometer für Kilometer ein Helau auf die
molisischen Brückenbauer ausstoßen. Denn obwohl man auf dem Weg Tal um Tal
quert, führt die N 627 ohne nennenswerte Anstrengung bis vor die Tore Isernias. Die Brückenbauwerke sind zum Teil abstrus überdimensioniert, vor
allem weil auch hier kaum Autoverkehr herrscht. Man verlässt die Bergwelt,
gelangt ins weniger spektakuläre Hügelland und findet sich letztendlich im
Straßengewirr vor Isernia wieder. Irgendwie findet man das schmucklose Centro
und merkt bald, dass der Weg das eigentliche Ziel war.
Unterkunft:
Hotel Sayonara*** Via Giovanni Berta 131, Geschäftshotel, 85 € Räder nach einigen
Verhandlungen in Keller
| Blick ins bezaubernde Alto Molise | Colli a Volturno | im Alto (=hohes) Molise |
| einsam, verträumte Idylle | mit kleinem Stausee bei Castel San Vincenzo | Das Beste an Isernia sind die riesigen grünen Oliven (giganti dolci) |

Isernia - Carpinone - Macchiagodena - Frosolone - Busso - Campobasso [74 km] (1.150 Hm)
Diese Etappe war hart, wir hatten vor allem den Schlussteil etwas
unterschätzt. Man verlässt Isernia über Hauptstraßen Richtung Campobasso,
quert talüberspannende Brücken und hochgelegte Umgehungen, bis man endlich den
Abzweig nach Carpinone erspäht. Darauf geht es 8 km geradeaus durch ein ruhigeres
Nebental. Dann geht es hoch, bis Castelpetroso steigt die Straße stetig auf fast 900 m an. Man
biegt auf die nach Osten führende N 618 Richtung Frosolone ab. Was wir nicht
wussten: Die
unübersehbare Bar
an diesem Abzweig ist die letzte bis Frosolone! Wir haben sie dummerweise
ausgelassen. Immer mit Blick auf
die Monti del Matese geht es jetzt am Hang entlang. Weite Blicke über Ginstermeere hinweg,
die Hügel vor einem erreichen nur noch 1.000 m. Man erreicht nach einer guten
Stunde das schöne Frosolone,
das mit seinem zentralen Park zur Mittagspause einlädt. Endlich finden wir
Schatten und verbringen wegen der fast unerträglichen Hitze 2 Stunden im
schattigen Park . Danach folgt wieder eine Strecke für Brückenliebhaber.
Immer leicht abwärts am Hang fahren wir Richtung Torella und erreichen eine
überdimensionierte, natürlich völlig unbefahrene Zubringerstraße zur N 647, die
uns dann eine 8 km lange Abfahrt ins Bifernotal ermöglicht. Auch hier staunen
wir über die Mittelverschwendung im Straßenbau in dem so armen
Molise.
Wir erreichen den Talgrund, die N 647 führt uns zunächst ein kurzes Stück
zurück Richtung Isernia, dann können wir links auf die kleine Nebenstrasse
nach Busso abbiegen. Obwohl nur 200 Hm zu überwinden sind, ist das einer der
Anstiege, die man nicht vergisst. Schattenlos, in der brütenden Mittagshitze
bei über 33 Grad im Schatten, gegen den heißen Wind... wir kommen kaum
mit dem Trinken hinterher. Über zwei weitere unerwartet beschwerliche Hügel
gelangen wir im inzwischen tosenden Verkehr nach Campobasso. Eine der chaotischsten
Stadteinfahrten,
die ich bislang erlebt habe, bringt uns in eine der chaotischsten Städte. Nach 1 Stunde chaotischer Hotelsuche
erfragen wir uns endlich eine passable Unterkunft.
P.S. Der Abend dann war unvergesslich.
Unterkunft: Pensione Concetta Via Tiberio 21 a, 0874484036, 45 €, nicht ganz ruhig, für den Preis aber absolut o.k., Räder nach einigen Verhandlungen in Kellergang
| Am Hang mit Blick auf die M. di Matese | irgendwo unterwegs | Ginstermeer bei Frosolone |
Ripabottoni - N 87 - Larino - Termoli [65 km] (200 Hm)
Nach den gestrigen Erfahrungen verzichten wir auf eine neuerliche
Stadtirrfahrt durch Campobasso und setzen uns frühmorgens in den Regionalzug,
der uns bis Ripabottoni bringt. Das kann man jedem Italienliebhaber nur
empfehlen. Hier gibt es einen uralten Triebwagen mit entsprechendem Besatz zu
bestaunen; inklusive der beiden Schaffner, die sich ein Bein ausreißen, der
Signora tedesca das Fahrrad in den Waggon zu hieven. Unter unseren Bedingungen
war es eine besonders richtige Entscheidung, da die Hitze immer
mehr zunahm und wir in die Ebene ans Meer abfahren wollten. Die Strecke immer auf der N87 bis nach
Larino wäre es eigentlich wert ausführlich beschrieben zu werden, sie ist
nämlich landschaftlich sehr reizvoll. Wir dagegen waren nur interessiert, der
Hitze zu entfliehen, die nach 12 Uhr unerträgliche Ausmaße annahm. Bis
Larino fährt man auf ruhiger Straße durch schönes, immer flacher auslaufendes
Hügelland, dann geht es runter in die Ebene
und ein 15 km langes fürchterliches Geradeausfahren im zunehmenden Verkehr
(Autobahnzubringer) beginnt. Dank Navi kommen wir auf Schleichwegen in die
Stadt.
Wer dieses Teilstück nachfahren möchte, dem sei empfohlen, ab Larino nach Norden über Guglionesi ans Meer zu fahren.
Unterkunft: Termoli Pension Ida 58 €, na ja, klein, Räder in Keller,
Hauptsache Klimaanlage
Eigentlich
wollten wir länger am Meer bleiben, entscheiden uns aber schnell, den
Touristenrummel nach einem Tag wieder zu verlassen und zurück in die Berge zu
fahren. Außerdem mussten wir den Nachmittag in klimatisierten Räumen verbringen,
die Hitzewelle erreicht 36 Grad. Wir entscheiden uns, die Strecke am Meer wieder
mit dem Zug zurückzulegen, um bei Zeiten in höhere Lagen zu entfliehen.
| auf dem Weg durch die flacher werdenden Hügel Richtung Meer | Termoli Centro | Strand mit Trabucco |
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